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11.10.2018 14:31

Feuerwehr will flotter zu Einsatzstellen kommen

Freiburg (mr) Freiburg wächst, und mit der Bevölkerungszahl steigt auch die Zahl der Einsätze für die Feuerwehr. Doch das Verkehrsaufkommen auf den Straßen erschwert das Vorankommen der Einsatzfahrzeuge. Darum startet die Feuerwehr Freiburg nun ein Pilotprojekt mit einem neuen System der Verkehrslenkung, das ihren Einsatzfahrzeugen auf der Eschholzstraße im Notfall ein Vorrecht einräumt. Dieses System heißt „Sitraffic Stream“ und wurde in Freiburg von zwei Fachämtern für den örtlichen Bedarf optimiert. Bei einem Ortstermin haben es Bürgermeister Stefan Breiter, Ralf-Jörg Hohloch, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz (ABK), und Hans-Georg Herffs, der oberste Verkehrsplaner im Garten- und Tiefbauamt (GuT), heute vorgestellt. Dabei betonte Bürgermeister Breiter: „Um einer Person in Notlage helfen zu können, ist allerhöchste Eile geboten. Da muss unsere Feuerwehr enge Hilfsfristen einhalten. Besonders bei Einsätzen in Freiburgs Norden ist die verkehrliche Erreichbarkeit zunehmend schwieriger geworden. Nun soll Sitraffic unserer Feuerwehr in Zukunft helfen, die entscheidenden Minuten früher vor Ort zu sein.“ Feuerwehr und Rettungsdienste sind rechtlich verpflichtet, Hilfsfristen mit einem definierten Zielerreichungsgrad einzuhalten. So gibt das Rettungsdienstgesetz des Landes Baden-Württemberg vor, dass spätestens 15 Minuten nach einem Notfall ein Rettungsmittel vor Ort sein muss. Das ist gerade in Städten durch die Zunahme des motorisierten Verkehrs immer schwerer einzuhalten; auf der B 31 (Höhe Ganter) sind es durchschnittlich 55.000 Fahrzeuge pro Tag. Mittels moderner Technik wirkt die Stadt Freiburg dem nun entgegen. Sogenannte Bevorrechtigungs-Systeme sind in der Lage, freie Fahrt für herannahende Einsatzfahrzeuge zu schaffen. Dazu führt jedes Fahrzeug ein Zusatzgerät mit sich: die On-Board Unit (OBU) mit integrierter GPS-Antenne zur satellitengesteuerten Ortung. Das GPS meldet die Position des Fahrzeugs auf 5 Meter genau an die Zentrale. Von dort aus werden alle Ampeln, denen es sich auf der Einsatzroute nähert, auf Grün geschaltet. Hat es die Kreuzung verlassen, meldet sich die OBU am nächsten Meldepunkt ab, und die Zentrale veranlasst das Umschalten der Ampel auf Normalbetrieb. In der Regel dauert der Eingriff in den Normalbetrieb weniger als eine Minute. Neben dem wichtigen Zeitgewinn bietet die Sonderschaltung einen weiteren Vorteil: Einsatzfahrzeuge müssen nicht mehr rote Ampeln überfahren, während die Ampeln für den querenden Verkehr auf Grün stehen. Dank „Sitraffic Stream“ erhalten alle übrigen Verkehrsströme, auch Stadtbahnen, „Rot“ angezeigt. Das erhöht die Sicherheit für alle Beteiligten, inklusive der Einsatzfahrzeuge. Bereits im Jahr 2014 hat die Feuerwehr Freiburg in einem Pilotprojekt das System im Stadtverkehr getestet. Danach floßen die Ergebnisse in Fahrzeit-Simulationen ein – und siehe da, das System brachte auf den ausgewählten Strecken signifikante Verbesserungen. Also ließen das Amt für Brand- und Katastrophenschutz und die Abteilung Verkehrsplanung im Garten- und Tiefbauamt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen. Ein Student des Geo-Informationsmanagements sollte im Rahmen der Bachelorarbeit konkret prüfen, ob ein BevorrechtigungsSystem an Ampeln die Leistungsfähigkeit der Freiburger Feuerwehr verbessern könne und ob es wirtschaftlich darstellbar wäre. Nun soll die Einführung des Bevorrechtigungs-Systems bis 2022 ausgebaut werden. Dazu wurden entsprechende Gelder im Doppelhaushalt 2019/2020 vorbehaltlich der Genehmigung des Gemeinderats eingestellt. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden 2018 bereits die Anfahrtsrouten verkehrsplanerisch und einsatztaktisch begutachtet. Der Verkehrsleitrechner im GuT erhielt Systemkomponenten für das Bevorrechtigungs-System, die Steuergeräte an den Ampeln wurden teilweise ausgetauscht und für das neue System umprogrammiert. In den Jahren 2019/20 soll mit den beantragten Haushaltsmitteln zunächst die nördliche Anfahrtsroute ausgebaut werden, 2021/22 könnte dann die östliche Anfahrtsroute folgen. Ob sich weitere Routen für das Bevorrechtigungs-System eignen, wird im Verlauf begutachtet.

Für die Anfahrtsroute Nord, via Eschholz-, Hohenzollern-, Heiliggeist-, Friedhof-, Waldkircher und Zähringer Straße, müssen 19 Ampeln mit der entsprechenden Steuerungstechnik nachgerüstet werden. Auf der Anfahrtsroute Ost, über Ochsenbrücke, Lessing-, Schiller-, Schwarzwald- und Hansjakobstraße, sind es 16 Ampeln. In der Pilotphase im ersten Halbjahr 2018 wurden auf der Nord-Route entlang der zentralen Achse Eschholzstraße die Ampeln an den Kreuzungen zur Ferdinand-Weis-Straße, zur Engelbergerstraße, zur Wannerstraße und zur Lehener Straße mit dem BevorrechtigungsSystem ausgestattet. Gerade die Kreuzung Wannerstraße bildet dank der Stadtbahn-Linien 1, 3, 4 und 5 einen Brennpunkt mit hohem Verbesserungspotential. Allerdings ist hier auch der größte Einrichtungsaufwand notwendig. Bei der Auswahl der Strecken hat die Feuerwehr auch berücksichtigt, wie häufig sie einen Abschnitt für die Anfahrt zu Einsätzen nutzt. Da von der Feuerwache in der Eschholzstraße 118 über die nördliche Eschholzstraße (täglich rund 15.000 Fahrzeuge) auch die Universitätsklinik und das neugestaltete Güterbahnhofareal angefahren werden, ist hier weiterhin mit vielen Einsatzfahrten zu rechnen. Das erleichtert die Analyse der tatsächlichen Verbesserung.

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