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15.07.2017 06:49

Badener des Jahres 2017

(mr) „Badener des Jahres“ ist ein Ehrentitel den der augenzwinkernde Badenerverein „Bund Freiheit statt Baden-Württemberg (B.F.s.B.W.)“ alljährlich an Personen und Institutionen vergibt, die sich um das Badenerland, seine Geschichte und Identität verdient gemacht haben. Für das Jahr 2017 hat der Bund diesen Titel dem „Hohen Grobgünstigen Narrengericht zu Stocken“ in Stockach am Bodensee vergeben. Die Badener zeichnen das Narrengericht dafür aus, dass die Richter seit Jahrhunderten das Leben und die Gerichtsbarkeit – vor allem in der Zeit der Narretei – nicht allzu ernst nehmen. Der B.F.s.B.W. sieht dabei Parallelen zu seiner eigenen Haltung der hohen Politik und der Obrigkeit gegenüber. Traditionell vergibt der Bund die Ehrenurkunde und -medaille bei einem Ereignis im Sommer. Gelegenheit dazu bot sich am gestrigen Freitag (14. Juli) beim „Stockacher Sommerabend“. Eine Delegation um B.F.s.B.W.-Präsidentin Ingrid Müller war eigens vom Sitz des Bundes, Karlsruhe, in den äußersten Badischen Süden gekommen, um das Zeremoniell zu begehen. Die Laudatio hielt der Freiburger Ossi W. Pink. Der Badener des Jahres 1995 sammelt passioniert Strophen offizieller und privater Natur der Baden-Hymne „Badenerlied“. Aktuell hat er über 1.000 Texte in seiner Sammlung.

Das Stockacher Narrengericht verurteilt alljährlich Prominente Eimer Wein österreichischen Maßes – je 60 Liter – wegen ihrer ihnen nachgewiesenen Verfehlungen. Fast jeder vierte Verurteilte, fand Pink heraus, ist ein Schwabe. Er empfahl dem Narrengericht, das Strafmaß für Schwaben künftig nach württembergischen Maße zu berechnen. Schwaben müssten dann je nach Trübeich, Helleich oder Schenkeich pro Eimer mit zwischen 267 und 306 Litern Wein büßen. Pink endete mit der bekannten Stockacher Richterparole „Und dann geschehe was Recht ist!“ Pink fügte zuvor seiner Strafmaß-Idee für künftige schwäbische Angeklagte das B.F.s.B.W.-typische verschmitzte Lächeln an. Mit dem auch die Präsidentin des Bundes auftrat. Sie hängte dem obersten Gerichtsherrn, Narrenrichter Jürgen Koterzyna, die Ehrenmedaille um und händigte ihm die zugehörige Ehrenurkunde aus, in der unter anderem steht, mit seiner augenzwinkernd-badischen Art sei das Grobgünstige Narrengericht zu Stocken würdiger Titelträger „Badener des Jahres 2017“. Koterzyna, der sich wie sein gesamtes Richterkollegium hoch erfreut über die Auszeichnung zeigte, versprach, Medaille und Urkunde stets in Ehren zu halten und dem Dokument einen ewigen Ehrenplatz im Heim des Gerichts, dem Narrenstüble, zu schaffen. Koterzyna in seiner Dankesansprache weiter: „Mag es Zufall sein oder auch nicht, dass für diese Auszeichnung ausgerechnet der 14. Juli … der Tag des Sturms auf die Bastille – dem Sinnbild der französischen Revolution und dem Kampf des französischen Volks für Recht und Gerechtigkeit gewählt wurde, es ist zumindest eine nette Randnotiz und passende Verbindung zum närrischen Rügerecht der heutigen Zeit.“ Und launig auf frühere Ehrenträger eingehend: „Bevor also Regina Halmich in die Badische Schwesternschaft vom Roten Kreuz eintritt und Toni Marschall uns das ganze Tannenzäpfle wegtrinkt, nehmen auch wir sehr gerne diese Auszeichnung an und verbinden damit den Wunsch und die Hoffnung, dass der badische KSC - der Karlsruher Sport Club – wieder erstklassig wird und den schwäbischen VfB Stuttgart wieder zurück in die zweite Liga schickt. Wir werden den Titel Badener des Jahres mit Stolz und Würde tragen!!!“

Als Dank und Anerkennung überreichte Koterzyna die gerahmte Fassung neuer Badnerlied-Strophen, die extra für diesen Anlass vom Kollegium gedichtet wurden und eine größere Flasche der närrischen Hausmarke Hans-Kuony-Sekt.

Das Stockacher Narrengericht ist das älteste seiner Art und beruft sich auf ein herzogliches Privileg für Hans Kuony aus dem Jahr 1351. Der Narr aus Stockach hatte seinem Landesherrn, Herzog Leopold I. von Habsburg, vergebens geraten, sich 1315 aus der Schlacht bei Morgarten in der Schweiz herauszuhalten. Für diesen obzwar nicht befolgten, aber dennoch weisen Rat durfte Hans Kuony einen Wunsch äußern. Leopolds Nachfolger Albert II. erfüllte schließlich 1351 diese Bitte. Seither darf jedes Jahr „zwischen Lichtmess‘ und Lätare“ Gericht gehalten werden. Nachdem dieses Recht viele Jahre brach lag, hält „Das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken“ seit 1965 am „Schmotzigen Dunnstig“ (Donnerstag vor Fastnacht) Gericht über Politiker und andere Honoratioren aus dem Bodenseebereich, aus Baden-Württemberg und aus dem gesamten Bundesgebiet. Letzte Angeklagte war 2017, im Jahre 666 nach Hans Kuony, die Rheinland-Pfälzische Minister-präsidentin, Präsidentin des Deutschen Bundesrates und Vorsitzende der Rundfunk-Komission der Länder, Malu Dreyer. Sie wurde zu zweieinhalb Eimern Wein und Sozialstunden verurteilt. Sie war des blinden Trumpismus, wissentlicher Karnevalisierung der Landespolitik und Verrat am sozialdemokratischen Grundkonsens in Tateinheit mit Nichtverhinderung eines Wahlsiegs angeklagt und in zwei der drei Punkte für schuldig erklärt worden.

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