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23.09.2018 11:04

Die Kirche hat versagt

Freiburg (mr) "Die Kirche steht gegenüber den Betroffenen in einer Schuld, die sie nicht leugnen, die sich nicht abschütteln, ja, die sie nur dann aufarbeiten kann, wenn die Betroffenen, die durch diese Taten verletzt, gedemütigt und zerbrochen wurden, dies auch wollen", sagte Erzbischof Stephan Burger mit Blick auf die Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche am Sonntag (23. September) im Freiburger Münster. Bei der bundesweiten Feier des Caritas-Sonntags und der Eröffnung der Caritas-Sammlung im Erzbistum Freiburg ergänzte der Erzbischof: "Hier haben wir als Kirche versagt, Verantwortliche wie Täter. Hier haben wir nichts einzufordern. Hier können wir nichts ungeschehen machen. Hier können wir nur selbst um Vergebung bitten und zwar in aller Demut und Bescheidenheit!" Auf dem Hintergrund des weit verbreiteten Missbrauchs müssen die Worte Jesu nach Erzbischof Burger wie Hohn klingen, wenn er sagt: "Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in die Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat." Der Erzbischof von Freiburg ergänzte: "Wie haben doch Mitbrüder diesen Satz Jesu pervertiert, verunstaltet und damit die Botschaft Jesu von der menschgewordenen Liebe Gottes in den Herzen vieler Kinder und Jugendlicher und auch bei Erwachsenen verdunkelt, ja ruiniert." Angesichts solcher Verbrechen sei die Frage danach, was die Kirche noch mit der Botschaft Jesu zu tun habe, ebenso verständlich wie Fassungslosigkeit und Resignation, Wut und Enttäuschung: "Das, was hier angerichtet wurde, kann letztlich nicht wieder gut gemacht werden."

Caritas-Jahreskampagne "Jeder Mensch braucht ein Zuhause"

Die Kirche, so Erzbischof Stephan Burger, bestehe aber nicht nur aus dieser dunklen Seite. Es gebe immer noch Menschen in der Kirche, die das leben und umsetzen wollen, was wirklich der Botschaft Jesu entspricht: "Wenn wir heute den Caritas-Sonntag begehen, dann dürfen wir uns auch daran erinnern, was Menschen in dieser Kirche an segensreicher Arbeit im Laufe der Zeit geleistet haben und immer noch leisten. Wir dürfen uns bewusstmachen, dass Menschen in dieser Kirche nach wie vor bereit sind, sich für die Botschaft Jesu einzusetzen und das zu leben, was Jesus gesagt und getan hat." So wolle die Botschaft Jesu nicht ins Jenseits vertrösten, sondern ermutigen, diese Welt und die Gesellschaft mitzugestalten und zu prägen. "Die Botschaft des Evangeliums hat somit eine sozialpolitische Dimension, die sich für Gerechtigkeit und Frieden, die sich für ein gelungenes Miteinander in dieser Welt einsetzt. Dieser Dimension stellt sich auch unsere Caritas in ihrer gelebten und strukturierten Arbeit, sei es weltweit, sei es in unserem Land und in unserer Erzdiözese", sagte Burger im Beisein von Caritas-Präsident Peter Neher und Diözesan-Caritasdirektor Thomas Herkert.

Mit Blick auf das Leitwort der Caritas-Jahreskampagne "Jeder Mensch braucht ein Zuhause" erläuterte der Erzbischof von Freiburg: "Wir leben in einem vergleichsweise reichen Staat, in wirtschaftlicher Sicherheit und ohne Krieg und Hunger. Und doch entsteht mitten unter uns eine soziale Not, die wir manchmal zwar wahrnehmen, am liebsten aber ausblenden: Immer mehr Menschen kommen in die Bredouille, sich keine Wohnung mehr leisten zu können. Menschen erleben, dass sie trotz eines Einkommens als Polizisten, Verwaltungsfachkräfte, Erzieherinnen oder Krankenschwestern keinen bezahlbaren Wohnraum mehr für sich und ihre Familien finden." Weiter sagte Stephan Burger, das Recht auf Wohnen dürfe niemals das Privileg der Besserverdiener oder der gesellschaftlichen Gewinner sein: "Es ist unser aller Recht, es ist Grundversorgung, ein Existenzial des Menschen!"

Sammelwoche vom 22. bis 30. September unter dem Motto "Hier und jetzt helfen."

Vom 22. bis 30. September bittet die Caritas in der Erzdiözese Freiburg die Bevölkerung um Unterstützung für benachteiligte Menschen. Die Sammelwoche steht unter dem Leitwort "Hier und jetzt helfen". Damit sie auf aktuelle Bedarfe und Notlagen reagieren kann, ist die Caritas auf Spenden angewiesen. Mit mehr als 2.200 Diensten und Einrichtungen versucht die Caritas in der Erzdiözese Freiburg, in der Nähe dieser Menschen zu bleiben, um Hilfe leisten zu können. Die Einnahmen aus der Caritas-Sammlung fließen in Projekte und Hilfsangebote, die benachteiligte und notleidende Menschen direkt erreichen.

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